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Risiken entwickeln sich dynamisch - Unternehmen auch?

Nicht nur durch die Wirtschaftskrisen der letzten Jahrzehnte, insbesondere die jüngsten globalen Ereignisse wie Pandemien, Cyberangriffe oder Unterbrechungen der Lieferketten haben dem Begriff „Risiko“ mehr an Aufmerksamkeit und Komplexität verliehen. Auch die teils spektakulären Firmenpleiten weltweit haben dazu beigetragen. Gerade dadurch ist deutlich geworden, dass Risikomanagement für jedes Unternehmen unabdingbar ist. Auch die Gesetzgeber der meisten Staaten haben die enorme wirtschaftliche Bedeutung dieses Instrumentes erkannt und haben sie deshalb seit Beginn dieses Jahrtausends einschlägige Gesetze erlassen (z.B. in Österreich: Aktiengesetz, in Deutschland: KonTraG, etc.). Diese Gesetze regeln die Berichtspflicht des Managements. Berichtspflichtig sind alle Risiken, die den Fortbestand eines Unternehmens gefährden oder dessen wirtschaftliche Lage wesentlich negativ beeinträchtigen können, aber auch besondere Abhängigkeiten von einzelnen Kunden, Lieferanten, Produkten, Patenten, etc.

Das Risikomanagement ist schon seit Jahrzehnten ein Thema der wissenschaftlichen Forschung und Praxis, gewinnt aber besonders in der letzten Zeit zunehmend an Bedeutung. Der Begriff „Risiko“ wird in verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten regelmäßig unterschiedlich übersetzt. Traditionell wird „Risiko“ als „Gefahr“ gesehen, nach dem Motto „Risiko ist, wenn’s schief geht“. Der Begriff ist jedoch mehrschichtig.

Nach „Duden – Das große Fremdwörterbuch“ ist Risiko 

a) ein mit einem Vorhaben, Unternehmen verbundenes Wagnis
b) eine Gefahr, Verlustmöglichkeit bei einer unsicheren  Unternehmung

Der Begriff „Risiko“ beinhaltet grundsätzlich sowohl eine positive als auch eine negative Komponente: 

  • Risiko ist die Möglichkeit ein erwartetes Ziel nicht zu erreichen. 
  • Risiko liegt aber auch in jeder unternehmerischen Tätigkeit und ist damit die
    andere Seite der „Chance“. 

Diese Neubewertung des Risikobegriffs bewirkte eine Ausweitung der Betrachtung und führte zur Entwicklung verschiedener Risikokategorien: 

  • Finanzrisiken: Dazu zählen Einflüsse durch Marktpreise von Rohstoffen, Aktien, Zinsen, Kredite, etc.
  • Operationale Risiken (3-P-Risks: People, Process and Politics): diese beinhalten das durch Menschen verursachten Risiko (Organisation, Führungsstil, Unternehmenskultur, etc.) die Risiken aus dem Arbeits-/Produktionsprozess aber auch die Risiken durch politische Veränderungen (z.B. EU-Erweiterung), gesetzliche Änderungen etc.
  • Strategische Risiken: Dabei handelt es sich um einen „Catch all“-Begriff, d.h. er umfasst alle anderen, in der Regel externen, Risiken wie z.B. Risiken des Umfelds, der Technologie, des Wettbewerbs, etc.

Alle diese Risiken haben eine ursachenbezogene und eine wirkungsbezogene Komponente. Die ursachenbezogene Komponente bewirkt, dass auf Grund eines Informationsdefizits der Entscheidungsträger über zukünftige Entwicklungen und Ereignisse Unternehmensziele verfehlt werden. Der Entscheidungsträger trifft auf Grund unvollkommener Informationen über künftige Umstände seine unternehmerischen Entscheidungen unter Unsicherheit. 

Handelt es sich bei der Zielverfehlung neben negativen Abweichungen auch um mögliche positive, d.h. „Chancen“, so spricht man von „spekulativen“ Risiken. Diese betreffen alle unternehmerischen Aktivitäten und Entscheidungen, sowohl Verlustmöglichkeiten (=Risiken) als auch Gewinnmöglichkeiten (= Chancen).

Für eine Chancen- und Risikooptimierung, aber auch für die Risikosteuerung ist daher die Implementierung eines Risikomanagements eine Notwendigkeit. Oberstes Ziel des Risikomanagements ist es, die Unternehmensleitung bei der Sicherung des Unternehmensfort-bestandes zu unterstützen. Das Risikomanagement fördert einen bewussten und effizienten Umgang mit Risiken, so dass keine die Existenz gefährdende Situation entstehen kann.

Copyright © RIVEST Holding GmbH, A – 6020 Innsbruck

Über den Autor: Clemens Reitz
Staatlich geprüfter Versicherungsmakler, geprüfter und zertifizierter Risikomanager, ausgebildeter Gefährdungsanalyst (HACCP), Anwender der Engpasskonzentrierten Strategie nach Prof. h.c. Wolfgang Mewes (1924-2016), Conference-Speaker. Gründer und Geschäftsführer RIVEST Management Gruppe, Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist das strategische Risiko- und Versicherungsmanagement von nationalen und internationalen Unternehmen.

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